Kultur in Brokstedt

mile kulturtraumEin Interview zum Thema Ehrenamt und Kultur

Der Verein Miteinander Leben e. V. nutzt den Kultur(T)raum im Plietschhuus in der Schule Brokstedt und führt dort regelmäßig kulturelle Veranstaltungen für die Bürger von Brokstedt durch.

Herr Ostendorff, Sie sind unter anderem einer der Vorsitzenden von MiLe. Wie kommen Sie an die Gruppen in ihrem Kulturprogramm?

Da wir den Kultur(T)raum seit ca. 3 Jahren nutzen, hat sich dieser Veranstaltungsort unter den Künstlern herumgesprochen, so dass wir Angebote erhalten. Zusätzlich bekommen wir Hinweise und wir schauen uns selber um. So waren wir vor drei Wochen in Eckernförde um uns die Gruppe „Speek to me" anzusehen, die ein Pink Floyd Programm anbietet.
 
 
Stichwort Bekanntheitsgrad. Können sie kurz ihre Werbemaßnahmen erläutern?

Unser Hauptaugenmerk ist natürlich auf Brokstedt und die umliegenden Gemeinden gerichtet. Wir gestalten einen Halbjahresflyer oder einzelne Flyer. Zusätzlich werden von uns Plakate, Banner und Pressetext für jede Veranstaltung erstellt. Und wir sind bei Facebook und Instagram unterwegs.
 

Sie nehmen als Eintritt nur 3 Euro, teilweise ist der Eintritt frei, das ist doch sehr ungewöhnlich.

Viele vermuten ja, dass die Bands und Künstler kostenlos bei uns auftreten. Das ist nicht der Fall. Jeder erhält eine Gage. Wenn Sie so wollen, werden wir durch die GEMA-Gebühren und die Raumgröße etwas ausgebremst. Und denken sie an unsere Gemeinnützigkeit. Unsere Angebote sollen erschwinglich und sozial sein.
 

Tragen sich denn die Veranstaltungen?

Wenn Sie nach dem reinen Kosten-/Nutzenprinzip gehen - nicht. Unsere Verluste müssen wir über den Spendenmarkt decken. Das wird häufig auch vom Publikum nicht wahrgenommen.
 

Wie viele Personen sind denn mit dem Kultur(T)raum beschäftigt?

Wir sind eine Gruppe von 8 Personen, die sich mit der Organisation beschäftigt, wobei nicht alle gleich aktiv sind. Unsere Hauptverantwortlichen sind neben mir Michael Maaß und Dirk Valentiner.
 

Können sie kurz den Ablauf einer Veranstaltung erläutern?

Ich werde es versuchen, aber kurz ist schwierig. Es beginnt mit den Verhandlungen mit der Band. Es müssen in der Regel zahlreiche Telefonate und manchmal sogar Ortsbesichtigungen durchgeführt werden. Da wir die Bands mit einem guten Catering bzw. Essen ködern, muss dieses von uns vorbereitet werden. Besonders beliebt sind die „Klopse" von Dirk Valentiner, das Tiramisu von Michael Maaß und die Würstchen im Schlafrock von Gaby Gerbitz.

Das hört sich ja lecker an.

Ja es gibt Gruppen, die bestehen auf unsere selbstgemachte Verköstigung, und wir reduzieren dadurch das Honorar.

Wie sieht es denn mit dem weiteren Ablauf aus?

Am Veranstaltungstag kommen die Interpreten zwischen 12 und 14 Uhr ins Plietschhuus. Wir müssen den Raum vom schulischen Material leerräumen, die Stühle aufstellen, die Bar bestücken und das Essen aufbauen. Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr und endet mit Pause zwischen 22.30 und 23.00 Uhr - danach Essen die Künstler. Ab 24 Uhr räumen wir auf. Und da die Schule sehr korrekt ist, müssen wir meistens am gleichen Tag auch noch die Toiletten reinigen und den Raum wieder so einrichten, dass am nächsten Werktag wieder dort Unterricht stattfinden könnte.

Das hört sich doch sehr umfangreich an.

Da wir aus Kostengründen alles selber machen, ist es doch recht umfangreich. Wenn Sie alles zusammenzählen, dann sind im Durchschnitt ca. 4 Personen mit je 2 bis 3 Arbeitstagen an einer Veranstaltung beschäftigt. Insgesamt führen wir zwischen 10 und 12 Veranstaltungen im Jahr durch. Und dann ist es natürlich so, dass wir nicht alle Auslagen erstatten können. Kurz gesagt: Alle Helfer/innen bringen noch Geld mit.

Wir haben jetzt bald Kommunalwahlen. Haben sie noch einen Wunsch an die Politik?

Bisher sind wir als Verein mit der Unterstützung aus dem gesamten Gemeinderat zufrieden. Allerdings wünschen wir uns aufgrund der Schnelllebigkeit einen anderen Entscheidungsweg. Bisher mussten wir unsere Wünsche im Laufe des Jahres einzeln beantragen. Dann wurde in den Ausschüssen bzw. Gemeinderatssitzung darüber entschieden. Wir würden gerne einen Jahresantrag stellen. Z.B. für die Kulturarbeit, bei der wir einen jährlichen Festbetrag bekommen mit der Auflage, dafür eine Mindestanzahl von Kulturveranstaltungen durchzuführen. Außerdem wünschen wir uns eine klare Koordination des Plietschhuses. Schließlich planen wir ehrenamtlich nicht nur Kulturveranstaltungen, sondern auch das Ferienprogramm, das Familienzentrum und andere Aktivitäten.